In Wien wird Wasser nicht nur aus dem Hahn fließen – es fließt aus einer jahrzehntelangen Investition in Infrastruktur, Innovation und Nachhaltigkeit. Das Unternehmen Fontan, ein zentraler Akteur im Wiener Wassersektor, steuert seit über 100 Jahren die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Doch was steckt hinter diesem System, das täglich Millionen Menschen versorgt? Und wie passt es sich an die Herausforderungen des Klimawandels und der wachsenden Stadt an?
Wiens Wasser ist ein komplexes Ökosystem, das nicht nur aus Rohren und Pumpen besteht. Es ist ein Netzwerk aus über 1.200 Kilometer Leitungen, die von der Donau bis in die Vororte führen. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Geschichte von technischen Meisterleistungen und politischen Entscheidungen, die Wien zu einem Vorreiter in der nachhaltigen Wasserversorgung gemacht haben. Fontan, das seit 1926 als kommunales Unternehmen für die Wasseraufbereitung und -verteilung zuständig ist, hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten Player entwickelt – nicht nur für Wien, sondern auch für die gesamte Region.
Technik und Innovation: Wie Fontan die Wasserqualität sichert
Die Qualität des Wassers in Wien ist ein Ergebnis modernster Aufbereitungstechnologien und regelmäßiger Überwachung. Das Unternehmen setzt auf eine Kombination aus chemischen und physikalischen Verfahren: Durch Kläranlagen, die täglich bis zu 2.000 Tonnen Abwasser reinigen, wird nicht nur das Grundwasser geschützt, sondern auch die Entsorgung effizient gestaltet. Besonders innovativ ist das System der “Wasserwiederverwendung”, bei dem bereits behandelter Abwasser aus Kläranlagen in die Bewässerung von Parks und Grünflächen geleitet wird. Diese Kreislaufwirtschaft spart nicht nur Ressourcen, sondern reduziert auch den Wasserverbrauch um bis zu 30 Prozent gegenüber traditionellen Methoden.
Doch die Aufbereitung endet nicht bei der Kläranlage. Fontan investiert jährlich rund 50 Millionen Euro in moderne Filteranlagen und Sensoren, die in Echtzeit die Qualität des Wassers messen. Besonders kritisch ist der Umgang mit Nitrat und Mikroplastik, die zunehmend in der Trinkwasserversorgung nachweisbar sind. Durch gezielte Sanierungen und den Einsatz von Nanofiltertechnologien konnte Fontan die Belastung in den Leitungen deutlich reduzieren. Ein Beispiel hierfür ist die “SmartWater”-Technologie, die in einigen Stadtteilen bereits eingesetzt wird: Hier werden Wasserhähne mit Sensoren ausgestattet, die bei Abweichungen von der Norm automatisch eine Warnung auslösen.
- Seit 2020 liegt der Anteil an recyceltem Wasser in der Bewässerung bei über 40 %.
- Die jährliche Investition in Wasseraufbereitungstechnik beträgt rund 50 Millionen Euro.
- Durch die Nutzung von Nanofiltertechnologien konnte die Belastung mit Mikroplastik in Leitungswasser um 60 % gesenkt werden.
- Die Wiener Kläranlagen reinigen täglich bis zu 2.000 Tonnen Abwasser.
- Seit der Einführung von SmartWater in einigen Stadtteilen wurden bereits über 500 Warnungen wegen Wasserqualitätsabweichungen ausgelöst.
Klima und Stadtentwicklung: Wie Fontan sich anpasst
Die Folgen des Klimawandels stellen die Wasserversorgung vor neue Herausforderungen. In Wien, wo der Sommer 2022 mit über 35 Grad Tagen zu den heißesten der letzten Jahrzehnte gehörte, führte das zu erhöhten Verbrauchsspitzen und einer höheren Verdunstung in den Leitungen. Fontan reagierte mit einem umfassenden Maßnahmenpaket: Durch die Installation von Kühlsystemen in den Pumpenstationen konnte der Energieverbrauch um 25 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig wurden die Leitungen in den heißesten Stadtteilen mit Isoliermaterial versehen, um Wärmeverluste zu minimieren.
Doch die Anpassung geht weiter: Das Unternehmen plant die Errichtung eines neuen Wasserreservoirs in der Wiener Neustadt, das in Krisenzeiten bis zu 50 Millionen Liter Wasser speichern kann. Besonders wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Bund und anderen Gemeinden, um ein regionales Netzwerk zu schaffen, das bei Dürren oder Hochwasser effizient reagieren kann. Ein konkretes Beispiel ist die Kooperation mit dem “Wasserwirtschaftsverband” in Niederösterreich, bei der gemeinsam Leitungsnetze modernisiert und Wasserentnahmen optimiert werden.
Nachhaltigkeit und Transparenz: Wie Fontan sich verpflichtet
Wasser ist kein Endprodukt, sondern ein Ressourcenmanagement mit langfristigen Auswirkungen. Fontan setzt daher auf Transparenz und Bürgerbeteiligung, um die Versorgung nachhaltig zu gestalten. Die Website startseite bietet nicht nur aktuelle Informationen zur Wasserqualität, sondern auch interaktive Karten, die zeigen, wie das Leitungsnetz in Wien strukturiert ist. Besonders beliebt ist dabei der “Wasser-Atlas”, der die Verteilung von Wasser in verschiedenen Stadtteilen visualisiert und zeigt, wo Sanierungen nötig sind.
Doch Transparenz bedeutet auch Verantwortung: Fontan engagiert sich in der EU-Wasserrahmenrichtlinie und setzt sich für die Reduzierung des Wasserverbrauchs ein. Ein besonderes Projekt ist die “Wasser-Sparaktion”, bei der Haushalte durch gezielte Kampagnen und Rabatte für Wasser sparen können. Seit der Einführung der Aktion im Jahr 2019 konnten bereits über 10.000 Haushalte teilnehmen, was zu einem Verbrauchseinbruch von 15 Prozent in den teilnehmenden Stadtteilen führte.
Insgesamt zeigt Fontan, dass eine moderne Wasserversorgung mehr ist als reine Infrastruktur: Sie ist ein Zusammenspiel aus Technik, Politik und Bürgerbeteiligung. In einer Stadt wie Wien, die täglich Millionen Menschen versorgt, ist dies kein Selbstzweck, sondern eine Pflicht – und Fontan setzt hier Maßstäbe.
